Das hier beschriebene Digitalisierungsprojekt
zu den historischen Aktien wurde

Vor einiger Zeit überließ der als Experte zu deutschen historischen Wertpapieren Rumäniens und Österreich-Ungarns bekannte Sammler Hellmar Christian Wester seine umfangreiche und über Jahrzehnte gewachsene Sammlung dem Archiv des Siebenbürgen-Instituts in Gundelsheim. Wester interessierte vor allem die Geschichte, die Protagonisten und die Verbindungen zu anderen Unternehmen, die hinter diesen Papieren stehen. Hinzu kamen alte Rechnungen, Fotos, Werbung, usw., um die Geschichte einer Gesellschaft zu dokumentieren. Die heute nicht mehr gültigen Wertpapiere, zu denen neben Aktien auch Schuldverschreibungen, Versicherungspolicen und sonstige „Non-Valeurs“ zählen, belegen ein bis heute wenig bekanntes und erforschtes Gebiet im Karpatenbogen.
Im Jahr 1990 gab es eine erste Ausstellung der historischen Wertpapiere aus der Sammlung Hellmar Westers. Parallel dazu erschien ein gedruckter Katalog, der neben den farbigen Abbildungen Grundinformationen zu den bedeutendsten deutschen Unternehmen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bietet und bis heute das einzige Nachschlagewerk zum Thema darstellt.
Die ersten Banken und Aktiengesellschaften Siebenbürgens haben sächsische Unternehmer gegründet, wobei die 1835 beziehungsweise 1841 in Kronstadt und Hermannstadt entstandenen Sparkassen bis zu ihrer Enteignung im Jahre 1948 die wichtigste Rolle gespielt haben. Diese und andere sächsische Kreditinstitute zeichnete aus, dass sie einen Teil ihres Gewinns gemeinnützigen Einrichtungen und zur Förderung der Wirtschaft und Kultur zur Verfügung stellten.
Wirtschaftsgeschichte zum Anfassen – so wird das Sammelgebiet historischer Wertpapiere häufig umschrieben. Die Dokumente gewähren Einblicke in die neuere Geschichte und ihre gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die durch Kriege, Entrechtung, Flucht, Vertreibung und Aussiedlung geprägt ist. Sie sind nicht nur Zeugen vergangener Epochen, sondern repräsentieren zugleich die Geschäftswelt und die Entwicklung historischer Finanzmärke. Neben dem Beleg wirtschaftlicher Geschichte sind sie Zeugen historischer Design- und Druckkunst und repräsentieren in diesem Kontext das Selbstverständnis, beziehungsweise auch den Anspruch der jeweiligen Unternehmen.
Die Sammlung von Hellmar Christian Wester ergänzt das Archiv der Siebenbürgischen Bibliothek um eine bedeutende und qualitativ hochwertige Kollektion, die auf vielfältige Weise Einblicke vermittelt. Sie ist nicht nur für die allgemeine Geschichte, sondern insbesondere für die Migrationsgeschichte, die Ortsgeschichte, die Zeitgeschichte, die Wirtschafts- und Sozialgeschichte, die Alltags- und Kulturgeschichte sowie die Biografie-Forschung Siebenbürgens und Rumäniens beziehungsweise Österreich-Ungarns von Bedeutung. Deutschlandweit gibt es keine weitere annährend vergleichbare Wertpapiersammlung wie die des international bekannten Sammlers Hellmar Christian Wester.
Diese bedeutende Sammlung ist ein wichtiges Kulturgut zur Geschichte der Siebenbürger Sachsen und weiterer deutscher Siedlungsgruppen in Rumänien beziehungsweise Österreich-Ungarn und steht hier auf den Seiten des Bildarchivs des Siebenbürgen-Instituts nun in Teilen der Öffentlichkeit zur Verfügung. Diese herausragende Wertpapiersammlung bietet nicht nur für die Wissenschaft und Forschung, sondern auch für die Kunstgeschichte eine Grundlage für neue Erkenntnisse.
